Schlagwort-Archive: eisenbahn

Damals & heute….

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„Men walk on Moon“ titelte am 21. Juli 1969 die „New York Times“; die zahreichen Gerüchte und Beweisführungen, die nur erfolgreiches -erdnahes- filmisches Umsetzen melden, sind seither nie verstummt.

Etwas weniger spektakulär und auch ohne bleibenden Fußabdruck landete (wirklich und tatsächlich..!)  vor gut zehn Tagen ein Bekannter aus früheren Zeiten zu Besuchszwecken hier in Paraguay; am vergangenen Dienstag trat dieser Señor nun den vierfach umsteigenden Rückflug an.

Eine ganze Menge Ereignisse lagen zwischen dem letzten Treffen 2003 und dem Jahre 2016: wichtige Jahre, um´s kurz zu umschreiben. 🙂
Niemand hätte damals unseren Umzug vorausgesehen, der im Juli 2005 erfolgen sollte. Dennoch diente unser weggehen nicht als Grund, die Verbindung abreissen zu lassen; jeder wollte wissen, wie´s dem jeweils anderen im fremden Land ergeht.
Und so erhielt unser Gast Einblick in das Leben, Treiben und arbeiten in Paraguay. Einige Ausflüge in die kulturell eher sparsam gestreuten Highlight´s der Umgebung rundeten den Besuch ab – Parallelen zu dessen vorigem Besuch in Venezuela wurden gezogen, besonders bei der Besichtigung „unserer“ Zuckerfabrik in Tebicuary bzw. den dortigen älteren Behausungen…

Deshalb an dieser Stelle ein weiteres Mal unter anderem einige Bilder vom 60 km entfernt liegenden ehemaligen Bahnausbesserungswerk Sapucai; die dabei entstandenen analogen 36er Filme befinden sich derzeit auf dem Weg ins Entwicklungswerk Dresden. 🙂

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Kaum etwas anderes als ein Besuch zeigt auf, wie sehr auswandern, vielleicht besonders nach Paraguay verändert – keine Veränderung wäre wohl das allerschlimmste. 🙂
Danke nochmals an dieser Stelle für den Besuch, alle Gespräche und Erinnerungen an „vorige“ Zeiten!!

Damit verbleiben wir wie immer mit den besten Grüßen & Wünschen als Team von „OUTLAW TODAY“!

HOTEL-RESTAURANT PARAISO
Villarrica, Paraguay
http://www.hotel-paraiso.de
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Schienengebunden/Abgehoben

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Dezember. Oh Gott; wieso ging das wieder soo schnell..??!! :`(
Kaum ist die letztjährliche Tanne entschmückt und verstaut, muß man(n) Sorge tragen, daß die unbequeme Frage nach der diesjährigen Funktionalität der Lichterkette gestellt wird: dabei wurde sie doch erst vor wenigen Wochen, Mitte Juni getestet… :yes:
Hinter selbiger Frage verbirgt sich -wie so oft- ein erstes „Anklopfen“ nach einem verbindlichen Termin für die erfolgreiche „Unternehmung Baumaufstellung“ – samt Lichterkette. :##

Aber – WO soll in diesem Jahre die chinesische Tanne stehen??
In dieser Problemkonstellation nach dem nächsten Modellbaukasten zu fragen, der folgerichtig unter passender Vitrine ein kleines bißchen Platz im Gesamtkonzept der Raumeinrichtung einnimmt, würde jeder Normaldenkende zum gegenwärtigen Zeitpunkt als kontraproduktiv oder gar Lebensmüdigkeit bezeichnen…also abwaaaarten… XX(

Tram 12

Nicht ganz so ernsthaft gehts zum drohenden Jahresende in Paraguay’s Eisenbahngesellschaft zu: deren Präsi Roberto Salinas bringt zum wiederholten Male :yawn: angesichts des drohenden Jahresendes seinen Wunsch zum Ausdruck, ab dem nächsten halben Jahr das Umland der Hauptstadt auch mit Schienen wieder an den Regierungsbezirk zu ketten.
Zum Ende der 90er Jahre löste sich diese schienengebundene Verbindung; seither übernehmen Busse den Menschen- und Mengentransport.

Und wer den innerstädtischen Verkehr der letzten Wochen in Asunción kennt, dürfte dieses Pojekt sogar nicht mal schlecht finden – die Frage geht natürlich an die Finanzierung, Umsetzbarkeit und nicht zuletzt in Richtung technischer Zustand/Wartung der Fahrzeuge… 😐

Doch keine Sorge – bis die ersten Züge durch Asunción rollen, dürften so einige deutsche Armeen in Syrien mit Roß und Wagen, Mann und Maus und Bundestagsmandat untergegangen sein… >:-(

Mit einigen fotografischen Streiflichtern aus leider vergangenen, hauptstädtischen Strassenbahnzeiten verbleiben wir auch diesmal wie immer mit den besten Grüßen & Wünschen als Team von „OUTLAW TODAY“! :wave:

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Mitte April schon wieder…

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Herbst 13

…schon vorab: nichts neues auf dem Bühnenboden im Staate Paraguay: der unausgesetzten nächtlichen Abholzung folgt an derselben (nun kahlen) Stelle ein unerklärlicher Feuervorhang, der alle Ermittlungen -so sie denn stattfinden sollen/müssen/dürfen- schier unmöglich macht, und ein weiteres Mal wird die Wiedereröffnung einer paraguayischen Eisenbahnstrecke zwischen der Hauptstadt und einem Vorort angedacht, da Infrastruktur in genügendem Maße vorhanden ist.

Herbst 12

Dabei darf man der letzteren Pressemitteilung dankbar sein, legt sie doch den Beweis vor, daß sich in unserem seit 2 Jahrzehnten weitgehend bahnlosem Binnenländle (nicht gerechnet die neue Strecke PY-Arg…) immer noch und vermutlich auch weiterhin ein amtierender Direktor für paraguayisches Eisenbahnwesen mit finanziellen Mitteln (wohl-)versorgt sieht. U-(

Deshalb an dieser Stelle aus Zeitgründen eine kleinere aktuelle Preisübersicht von verschiedenen Dingen; zugrundegelegt sei der aktuelle Kurs vom Kunsttaler zum Guaranie von 5.200,-/5.400,- : 1,-

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Und für @ Brother :wave: nun die fast letzten Bilder vom Santisima-Projekt: Tag 255 – fast geschafft: der innerstädtische Flaggenfuzzie glänzt auch weiterhin durch erkennbare Unlust bzw. eigens 🙄 erklärte Überarbeitung, und so muß Spaniens großes Schiff weiterhin auf den abschließenen Wimpel im Masttop warten… :##

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Dafür wurde nun endlich die Vitrine in Auftrag gegeben! Aber leider arbeitet der Meister derzeit an kürzlich importierten Fenstern für einen Landsmann :wave: ; vielleicht aber widerfährt dem Schiffsquerschnitt „bevorzugte Behandlung“… :yes:

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DA isse wieder, die modellfreie Zeit :`( – aber die Vorarbeiten & Recherchen für das Panzer-IV-Diorama laufen insgeheim längst auf Hochtouren.. B) :p

Damit verbleiben wir wie immer mit den besten Grüßen & Wünschen als Team von „OUTLAW TODAY“!

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Villarrica, Paraguay
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Stille statt Dampf

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Pirayu 14

„Es ist eine prächtige Einrichtung mit diesen Eisenbahnen. Bei Reisen kommt Geld und Zeit gar nicht mehr in Betracht.“

…schwerlich anzunehmen, daß dies selbst zu Zeiten des deutschen Verlegers Karl Baedeker noch so gewesen sein soll; unwillkürlich wird man das Gefühl nicht los, daß sich hinter obenstehender Aussage eigentlich Guido Knopp’s -staatlich beauftragte- Geschichtsauffassung verbirgt…. U-(

Dennoch muß sich hinter dampfbetriebener Eisenbahnfahrt auf dem südamerikanischen Festland ein unwiderstehlicher Reiz befunden haben – wenngleich die meisten Strecken anfangs fast nur aus militärischem Kalkül angelegt wurden und in den ersten Jahren dem Truppentransport, für paraguayische Soldaten meist für die Fahrt in den Tod dienten…

Im Gegensatz zu vielen Alltagsgegenständen vergangener Zeiten haben eben diese Schienenstränge und Bahnhöfe in Paraguay zu großen Teilen überlebt bzw. lassen sich die einstigen Streckenführungen anhand der verbliebenen Aufschüttungen im eigentlich flachen Lande erahnen, und oft sind sogar die Gleise im Boden verblieben.

So existiert die damalige Station von Pirayú ebenfalls noch, wie nachfolgende Bilder belegen.

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Laut hiesigen B) Quellen besteht dieser Bahnhof seit Ende Mai 1864, zeugt somit von den Anfängen des Dampfroß-Einsatzes in unserem Binnenlande und verdankt sein Dasein wie schon erwähnt militärischen Zwecken: angelegt Mitte der 60er Jahre des 19ten Jahrhunderts unter dem damaligen Präsidenten López; sein bis heute zweifelhafter Durchhalte- und Endsieg-Ruf ungeachtet der Verluste hatte ihm zumindest den Sprung auf den 1.000er-Guaranie-Schein sowie einen Konterfei-Briefmarkensatz verschafft: man darf also schon jetzt gespannt sein auf die Graphik der neuen Brüsseler Schschäuble-Briefmarken… :p

Paraguay 01

Und auch in Pirayú gibts noch Fahrkarten; seltsamerweise leidet der damals dafür verwendete Karton in keinster Weise unter dem hiesigen Klima!
Über die Wanduhr sollte man keine Worte verlieren, sondern Tränen.. :>>
Leider war der Verantwortliche mit dem Schlüssel nicht auffindbar; Besichtigungstouren für Eintrittsgeld scheinen in unseren Zeiten überhand zu nehmen……

Pirayu 05Pirayu 06

Angesichts der Bausubstanz erscheint es fast nachvollziehbar, daß der ganze Laden zum Verkauf angeboten wird; ob dies allerdings rechtens und wirksam würde, erscheint fraglich: die Wahrscheinlichkeit besteht, daß nach einer privaten Komplettsanierung sogar die echten Besitzstandsdokumente zufällig entdeckt und sogar einsehbar gemacht werden. :))

Trotzdem hat die zweitürmige Anlage was; und die längst fast vollständig grasüberzogenen Gleise erhöhen den Reiz von allem noch.

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Für @ Brother neue Bilder; Bautag 110: das nächste, vorletzte Deck wartet auf die Installation, nachdem die fehlenden 4 Pfortenreep’s binnenbords geschafft wurden. Und natürlich die Decksbalken müssen vorher rein… nix neues also.. 😳

Santisima Trinidad 72Santisima Trinidad 73Santisima Trinidad 74

Damit verbleiben wir wie immer mit den besten Grüßen & Wünschen als Team von „OUTLAW TODAY“! :wave:

..doch beinahe den 37ten Geburtstag/Herstellungsdatum des „anderen“ Modell’s am 18.11. vergessen… U-( :>>

Pirayu 15

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Villarrica, Paraguay
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Was eine Zeit…..

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„Tausche betonierte Zukunft gegen lebendige Vergangenheit.“ 😡 Angesichts der längst geplanten und nun durchgeführten Schaffung eines zentralen Kreml-Komitees XX( (rein wirtschaftlich zur Wahrung der Interessen aller, versteht sich..) in der alten Heimat gewinnt eingangs erwähnte Feststellung eine neue Bedeutung. 😐

Stets auf der Suche nach historischen Aufnahmen aus unserem Städtchen, erreichte uns letztens ein weiteres Mal ein moderner Datenträger mit Bildern aus vergangenen Zeiten, die wir der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten wollen und nun hier in einer Auswahl präsentieren.

Verschwunden scheinen mit dem Charme der alten Tage auch die technische Ausrüstung sowie die Fahrzeuge zu sein; selbst die Schienen der vormals hier existenten Eisenbahn fielen zum großen Teil -meist in bewohnten Gebieten- dem privaten Schrottgeld zum Opfer. :))

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Immer wieder aufgelegte Pläne über eine Reaktivierung der hiesigen Eisenbahnstrecke erwiesen sich bis jetzt als Phantasieprojekt und werden es wohl auch bleiben…..

Was bleibt, sind wohl eine Handvoll Bilder vergangener Tage….

Aber auch aus der Gegenwart gibts was zu berichten: Haribo aus angeblich spanischer Produktion hat die Gegend um Villarrica erreicht; für 5.000 Guaranies pro 100-Gramm-Tüte dürfte sich doch da jeder Zahnarzt freuen….

Haribo 02

Wie immer mit vielen Grüßen – Euer Team von „OUTLAW TODAY“! :wave:

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Es fährt ein Zug nach Nirgendwo…

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Während der Deutschland-Express vollbesetzt mit fröhlich feiernden und zuversichtlich lachenden Passagieren mit Volldampf in die Rezession rast :yes: und „Die Bahn“ astronomisch gestiegene Fahrgast-, Umsatz- und Gewinnzahlen bekannt gibt, begab sich zum 199ten Geburtstag von Richard Hartmann -Inhaber einer Chemnitzer Maschinenfabrik und Lokomotivenlieferant der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahn :p – die Redaktion von „Outlaw Today“ ein weiteres Mal auf Spurensuche nach dem Verbleib der paraguayischen Eisenbahn und den dazugehörigen Relikten.

Und die fanden sich diesmal im nordwestlich von Villarrica gelegenen und über die neue Ruta erreichbaren Ort Sapucaí.

Auf dem Weg nach Sapucai begegnet man schon vereinzelt Überbleibseln der EisenbahnAuftakt zum alten EisenbahnwerkEine Waage für wirklich schwere GewichteDie einzige der Loks die noch einen recht guten Eindruck macht

Als General Alfredo Stroessner B) vor nunmehr beinahe 50 Jahren den Rückkauf der „Paraguay Central Railway Company“ aus englischer Hand beschloß, um sie Ende Oktober 1961 wieder unter staatliche Fittiche zu nehmen und ihr damit „grüne“ Signale für die Fahrt ins endgültige finanzielle Aus 30 Jahre später zu setzen, blickte die paraguayische Eisenbahn schon auf eine hundertjährige Geschichte zurück, die einst hoffnungsvoll um die Mitte des 19ten Jahrhunderts im britischen Eisenbahn-Ursprungsland begann. 😮

...hier mit ihrem Tender, sogar Holz ist noch aufgeladenDer 2. Tender ist aufgebocktDiese Lok ist wohl etwas reparaturbedürftig

Bekanntlicherweise verkehrte die erste deutsche Eisenbahn am 7. Dezember 1835 ❗ zwischen Nürnberg und Fürth, und nur 22einhalb Jahre später wurde die erste paraguayische dampfbetriebene Strecke auf Betreiben und in Anwesenheit des damaligen Präsidenten Carlos A. Lopez in Asuncion eröffnet.

Britische Ingenieure waren es, die für viel Geld Lokomotiven, Waggons und fast sämtliche Anlagen zum Betreiben und Unterhalt der Bahnlinie lieferten.
So wurde schon frühzeitig in Sapucaí eine Werkstatt errichtet, in der man das aus den nahegelegenen Bergen fließende Wasser zur Kühlung bei der Eisenschmelze und der Stahlherstellung nutzte.
In mühevoller Arbeit wurden so damals -dampfbetrieben!- Reparaturteile für die neue Eisenbahn hergestellt.

...und diese dient wohl nur noch als ErsatzteillagerNaja, sie haben sicher schon bessere Zeiten gesehenIn der riesigen Halle.......finden sich überall......noch jede Menge Werkzeuge......und, wie es scheint, auch betreibsbereite MaschinenAlle wurden per Wasserdampf angetriebenZu Zeiten der Engländer waren hier ca. 500 Personen beschäftigtTypenschilder in Mengen

Nur kurze Zeit später sollte der Tripel-Allianz-Krieg (1864-1870) die für das Land wichtige und zukunftsweisende Entwicklung -mittlerweile waren Luque und Paraguari angeschlossen- stoppen: Erst mit brasilianischer finanzieller Hilfe konnte nach den Kriegswirren der Verlust der für Kanonen XX( eingeschmolzenen Bahnteile und Maschinen wieder ausgeglichen werden und der Bahnbetrieb -nun freilich technisch arg zurückgeworfen- wieder aufgenommen werden.
In dieser Zeit waren mehrere hundert Personen in Sapucaí beschäftigt, die den Bahnbetrieb aufrechterhielten.

Manches hat sich die Natur schon zurück geholtWer weiss schon wie lange diese Federn auf ihren Einbau wartenDer Verfall ist unübersehbarHier das KesselhausDer große Wassertank, gespeist aus GebirgswasserEin Blick auf einen Teil der Anlage

Wieder sollten es die Briten sein, die wenige Jahre vor dem Wechsel ins 20te Jahrhundert Paraguay unter die Arme griffen: Sie kauften das ganze kränkelnde Unternehmen auf, stellten es finanziell wieder auf die Beine, modernisierten den technischen Bestand und bauten das Streckennetz weiter aus – nun unter anderem bis Encarnación.

Doch blieb auch die europäische Entwicklung nicht ohne Einfluß auf die südamerikanischen, hochfliegenden und länderverbindenden Bahnpläne; der Weltkrieg ’14-’18 und sich daran anschließende Krisen in den hiesigen Nachbarstaaten wurden verfolgt von der bislang letzten militärischen Auseinandersetzung im paraguayischen Chaco zu Beginn der 30er Jahre und den folgenden wirtschaftlichen Niedergangsjahren vor dem Rückkauf durch Alfredo Stroessner. B)

Eisenbahnromantik purNoch eine Lok die dem Verfall preisgegeben ist

Alle diese Zeiten hat Sapucaí mitgemacht und überstanden. ❗
Das Bild, welches sich dem Besucher heute bietet, gebietet allerdings ständig wiederkehrenden Gerüchten über eine Neubelebung des Eisenbahnverkehrs -zumindest mit den noch vorhandenen Utensilien- in Paraguay Einhalt: im Sand vergrabene Gleise, undichte Lokschuppen mit teils stark verrosteten Zeugen der Dampf-Ära und sie umgebende englische Drehbänke aus dem letzten Jahrhundert sprechen eine zu deutliche Sprache…:'(

Während einige der Drehbänke noch für private Dinge genutzt werden, fahren die meisten der hier versammelten historischen Stücke wohl nie wieder auf’s Streckennetz hinaus – von dem Dampfroß, welches am jährlichen Umzug in Sapucaí teilnimmt, mal abgesehen (noch für einige wenige Jahre..). :-/

Selbst der Erhalt der im großen Rahmen hier fast komplett vorhandenen Teile eines Bahn-Betriebswerkes würde wohl Unsummen verschlingen und so wartet der Pförtner weiterhin ungerührt U-( dem langsamen Verfall zusehend auf die scheinbar zahlreichen Besucher, um ihnen von den vergangenen glorreichen Tagen zu berichten…

Diese Waage wirkt noch funktionstüchtigDie Ersatzteillager machen leider einen trostlosen EindruckHier werden noch die alten Sitzpolster aufbewahrtDie Arbeitsräume der Ingenieure...Hier finden sich alte Konstruktionspläne, Telegrafen und vieles mehrSapucai - der Schreibfehler stammt noch von den Engländern

Und trotzdem bietet sich dem Eisenbahn-Enthusiasten hier ein faszinierendes Bild, ganz nah‘ dran an einem wichtigen Ort, der eine lange und wechselvolle Geschichte innerhalb der paraguayischen Eisenbahn innehatte.
Für technisch Interessierte ein absolutes Besuchs-Muß! :yes:

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"Alles EINsteigen, hier endet der Zug!"

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Alles Eisenbahn oder was?

Momentan schwirren durch unser spätsommerliches Villarrica eine ganze Menge Gerüchte und „ganz sichere“ Voraussagen. Eines dieser Gerüchte besagt, daß demnächst nach 10 Jahren Ruhepause in unserem Lande die Eisenbahn wieder zum wichtigen Transportmittel erklärt und eingesetzt würde.

Als ehemaliger Modellbahn-Fan (Spur HO, Firma Piko) war dies Grund genug für mich, den nächsten Fahrauftrag auszuschreiben, um vor Ort festzustellen, wieviel vom ehemaligen Bahnbestand noch existiert und ob es denn wirklich innerhalb kürzester Zeit möglich wäre, den Bahnbetrieb wieder aufzunehmen.
So brauste unsere Redaktion gestern morgen mit der Fotoausrüstung über die Ruta 8 Richtung Numi los; Ziel war der 25 km entfernte Bahnhof von => San Salvador. ❗

Schon von weitem fiel die -nunmehr schienenlose- breite Schneise auf, die sich quer durch den ganzen Ort zieht. Immer öfter auftauchende Wasserkräne, mitten in der Landschaft stehende alte Waggons und alte Hinweiszeichen wiesen uns den Weg zum ehemaligen Bahnhofsgebäude, welches nun von einer einheimischen Familie bewohnt wird, die bei unserem Eintreffen ihren Mate-Tee auf dem vormaligen Bahnsteig einnahm.
„No Problem“, sich auf dem ganzen Gelände umzusehen und alles in Augenschein zu nehmen.

Eine Bank für die Wartenden ReisegästeAusgebuddelte SchwellenBahnstation San SalvadorDie Drehscheibe existiert immer nochRecht luftig - genau das richtige für das hiesige KlimaSchattenplätze für die SchafeRöhrenkessel und WasserpumpeUralt aber immer noch funktionstüchtig - Weichensteller

Um es schon vorweg zu nehmen: Eher wird Michael Jackson wieder schwarz, als daß hier wieder ein Zug angerauscht kommt oder etwa ein normaler Bahnbetrieb anläuft! :no:

Jeder Eisenbahn-Fan würde dieses Gelände als Paradies bezeichnen; und auch uns kam es wie eine Reise in die Vergangenheit vor.
Die hier stationierte Drehscheibe sah aus, als hätte sie erst gestern den Sonderzug nach Pankow auf´s richtige Gleis gestellt.
Andere Dinge erinnerten im Zustand ihres Verfalls an die traurigen Reste der 3800 Meter tief liegenden Titanic 😥 , und wirklich handelt es sich bei den meisten hier vorgefundenen Teilen um britische Erzeugnisse!

Vor genau 200 Jahren baute der Engländer Richard Trevithick (wer sonst, bei den reichen Kohlevorkommen seines Landes!) einen Vorläufer der noch einigen von uns bekannten, mit Dampf betriebenen Lokomotiven; er gab ihr den (kurioserweise auch für einige hier anwesende Landsleute zutreffenden… :wave: ) Namen „Catch me who can“; nach deren Entgleisung (dies passiert einigen Landsleuten hier häufiger… :wave: 😛 :wave: ) wurde das Teil verschrottet.
Übrigens war der Erfinder auch auf unserem südamerikanischem Kontinent tätig: von 1816 an entwickelte und unterhielt er zehn Jahre lang Wasserpumpensysteme in peruanischen Silberminen, bevor auch er ❗ das bürgerkriegsgeschüttelte Andenland mit großem finanziellen Verlust wieder verlassen mußte.

Die beiden 'Schätzchen'Schon der Kuhfänger ist riesigBlick auf die 'Fahrerkanzel'Hier wurde eingeheiztDer Tender der einen LokDetailaufnahmeHier gibt's 'ne Menge Blattfedern

Und auch wir sollten hier in San Salvador vor zwei Exemplaren von einst stolzen Maschinen stehen: rostiges, im Winde knarrendes Dachblech schützt die beiden alten Dampfrösser leider nur mangelhaft vor Wind und Wetter.

Doch mit dem aus Western bekannten Kuhfänger und dem großen einzelnen Scheinwerfer erinnern beide an die Zeit der amerikanischen Pioniere, die dank Karl May´s :p 😀 Erzählungen in Harald-Reinl-Filmen auf nebenher reitende Indianer feuern und so einen Hauch von Pulverdampf und Abenteuer in die Wohnzimmer der fleißig am deutschen Wirtschaftswunder Arbeitenden brachten…

Für alle Souvenierjäger sei an dieser Stelle gesagt, daß sich nirgendwo (stimmt nicht: auf dem >:XX , der immer noch angekoppelt ist, befindet sich hinten ein >:XX , der zwar etwas ramponiert, doch sonst gut in Schuß ist…) mehr Teile befinden, die ohne großes Aufsehen und ebenso großem Werkzeugkasten demontierbar sind; Typenschilder und in Blech gedruckte, schraubbare Maschinenangaben sind längst verschwunden, das Glas der großen Lampen und Seitenscheiben ist eingeschlagen und da sich alles noch im Besitz der Eisenbahngesellschaft befindet, ist an jedem noch so kleinem Teil wie etwa Stühle und Bänke vom Wartesaal eine Nummer aufgepinselt – die im Hause wohnende Familie wacht streng über das Inventar!

Viele Teile kommen aus London - auch dieser KreissägentischIn einem Nebengebäude finden sich jede Menge Kleinteile...unter anderem auch alle möglichn SchraubenschlüsselEine tolle Gepäckwaage

In angrenzenden Nachbargebäuden finden sich die damals gebräuchlichen Werkzeuge und großen Schlüssel -durch die britische Herkunft alles im Zollmaß :yes: gefertigt-, und das übliche Inventar eines Bahnhofes: die Gepäckwaagen, die Bahnhofsschilder sowie Fahrtenbücher, zurückreichend in die 50er Jahre und der immer noch gefüllte Fahrkartenschrank.

Was beim genaueren Hinsehen auffällt, sind die frisch vorgenommenen Grabungen im ehemaligen Gleisbett: hier liegt nicht etwa die ständig nörgelnde Schwiegermutter 💡 oder frühere, zuviele Fragen stellende Besucher der Örtlichkeit; sondern der derzeitige Bewohner buddelt die alten hölzernen Schwellen der Schienen aus; nach seiner Angabe aufgrund einer Anweisung der Bahngesellschaft, die in größeren Abständen alles abholt.
Ob aus dem wirklich alten Holz spezielle Mate-Teebecher hergestellt werden oder alles -kleingemahlen- als Katzenstreu verkauft wird…wer weiß das schon..!

Wo früher scheinbar reger Bahnbetrieb herrschte, tummeln sich in San Salvador nun blökende Schafe; Ruhe ist eingekehrt auf diesem Teil der paraguayischen Eisenbahn.
Wird es eines Tages wieder möglich sein, mit dem Zug von Villarrica nach Asuncion zu fahren…??? U-(
Viele, auch weiter südlich gelegene, kleinere Orte verfügten bis vor einigen Jahren noch über einen Bahnanschluß, der sie mit Asuncion verband. Es wären wohl gigantische Kosten, die durch eine Wiederrichtung der Strecke entstehen würden!

Trotzdem war dieser Ausflug in jedem Fall lohnenswert, denn wo findet man noch „in freier Wildbahn“ so eine Oase für Freunde des funkenspeienden Feuerrosses….

FahrkartenschrankReserve-FahrkartenEinen tollen Safe gibt es auch noch!

Was paßt zu unserem heutigen Abschluß besser als ein Wort des im 19ten Jahrhunderts lebenden (britischen) Dr. Lardner:
„Es ist dem Menschen unmöglich, die hohen Geschwindigkeiten der Eisenbahn zu ertragen. Sein Atmungssystem wird zusammenbrechen, Tod durch Lungenbluten wird die Regel sein.“ |-|

Wir von „OUTLAW TODAY“ werden auch weiterhin unsere geneigte Leserschaft mit spannenden Geschichten aus unserer Wahlheimat Paraguay versorgen; grüne Stubenhocker :wave: :yawn: :wave: , die aus Provisionsgründen im Grunde ihres Herzens lieber nahe Villarrica blieben (morgen könnten ja „Neue“ kommen…), können ja über uns weitere interessante Seiten Paraguays erfahren!
So verbleiben wir auch diesmal wie immer mit vielen Grüßen aus Villarrica!

Hier gibt es mehr über den genialen Erfindern R. Trevithick:
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Trevithick

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