Juan, Rosita & kein Ende…

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Ich hatte mich an diesem Abend auf einen halbwegs normalen Ablauf eingestellt; viel zu spät würde mir einfallen, daß ich das Abendessen vergessen hatte, ab und an würde das Telefon wimmern und nach Geschäftsschluß, am Beginn des Morgens, würde ich mich dem Bett widmen können. Den Inhalt des drahtübermittelten Gesprächs vom frühen Abend hatte ich längst vergessen; die darin enthaltene Frage, ob es mir was ausmachen würde, wenn die nächtliche Radiomusik hier im Haus von einem leibhaftigen Mariachi unterbrochen werden würde, nahm ich reichlich gelassen als spaßige Einlage eines Witzboldes hin. Und als ich wider Erwarten darauf aufmerksam gemacht wurde, das eigene Essen doch nicht zu verpassen, war die Erinnerung an die telefonische Frage längst weg… Bliebe eigentlich nur noch abendlicher Schluß, Bett und der nächste Morgen zu erreichen. Was machte es mir aus, daß der nächste Morgen auch hierzulande den Liebenden gewidmet war, wenn immer noch zuverlässig die Musik aus dem Radio waberte? Bis kurz vor Mitternacht das Gelärm der Hunde den Radioapparat übertönte und die eigene Müdigkeit vertrieb. Noch bevor ich in die Pantoffeln geschlüpft war, schmetterten Trompete und sicherlich nicht nur eine Gitarre mir von dem Aussenbereich der Terrasse den unendlichen Weltschmerz der Liebe auch in diesem Teil der Welt entgegen. Und tatsächlich war der frühabendliche Anruf keine Frage, sondern eine Ankündigung gewesen. So standen fast wie aus dem Boden gewachsen immerhin vier auf Rechnung angeheuerte paraguayische Mexikaner mit neuglänzendem Instrumentarium vorm Tisch des Auftraggebers und dessen Frau und teilten ihnen schleppend singend ihre privaten Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Wochen zum Thema amouröse Intimitäten mit. Zu den aufwendig hergestellten, weiß und kaffeebraun wechselnden Uniformen durfte laut ihrer Gewerkschaft ausschließlich der typisch sein sollende Mexikanervollrund aufgestülpt werden, auf dessen Durchmesser die Verpflegung eines mittelgroßen Kinderheims Platz findet. Und um der ebenfalls folkloristischen und preislichen Tradition Genüge zu tun, bekam nach dem musikalischen Intro die junge hübsche Frau des Combobestellers die Dunstkiepe angepaßt – und siehe da: paßt, und der Kopf knickt unterm Gewicht des Hutes nicht mal zur Seite.  So erklärt sich übrigens das Bild eines Musikers ohne Kinderheimspeisekammer.

Musikalisch wurde von einem Blatt gespielt, welches eine komplette Notenzeile enthielt; denkbar ist, daß die immerhin unterschiedlichen Textaussagen nach mehreren Aufführungen klappen oder bei Bedarf spontan aufgefüllt werden. So musizierten die Vier vor einem Tisch, an dem fleißig gegessen und getrunken wurde, munter drauf los. Selbst, als Trompeten-Mex auf die Idee kam, aussagekräftig nach jeder zweiten Schmetterrunde Flüssigkeit aus der goldglänzenden Tute auf die Terrassenplatten zu gießen, beschaffte das der Folkloristentruppe kein Bier zwischen den Strophen, die unermüdlich von der unglücklichen Liebe zwischen Juan und Rosita schluchzten; ziemlich bedrückt zogen alle vier nach vierzig Minuten ab und ließen die Zuhörerschaft im unklaren darüber, wie es mit Juan und der hübschen Rosita weitergehen wird – dabei haben es schon deren Großeltern vorgemacht: der Mann macht zuerst spontan, wenig später dann innovativ bei den Räubern in den Bergen mit, und die Frau bleibt mit fünf Kindern sitzen, gründet kurz darauf allerdings eine eigene Start-up-Firma für Schlagertexte, die kommende Generationen zum Weinen bringen werden…

Und wenn ich mir´s recht überlege, so war´s doch nicht schlecht für einen Abend mit ganz normalem Ablauf….

Damit verbleiben wir wie immer mit den besten Grüßen & Wünschen als Team von „OUTLAW TODAY“!

       
HOTEL-RESTAURANT PARAISO
Villarrica, Paraguay
http://www.hotel-paraiso.de
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