Wenn einer eine Reise tut….

Standard

„Im Unglück sieht man die Wahrheit klarer.“ Mit wenigen Worten hat Fjodor M. Dostojewskij so den Kern der Sache getroffen. Einige Landsleute von diesem bekannten Romanautoren werden diese Aussage wohl ihr Leben lang bestätigen können.
Für eine Familie aus Deutschland mit zwei Kindern sollte der Besuch bei den etwa 140 km südlich von Villarrica im Departement Caazapa wohnenden Eltern des Ehemannes einen lebensgefährlichen Abschluß finden…. :-/

Im Laufe eines Treffen unter Landsleuten kam es bei einer Meinungsverschiedenheit über die Backzutaten für Mürbeteigplätzchen zu Handgreiflichkeiten, und schnell befand sich ein Schneidwerkzeug „Made in Solingen“ in mindestens einer entschlossenen Hand. Drei der anwesenden Herren bekamen genau dies ab. >:-(
Was sich nun anschließen sollte, könnte einem Film entstammen, klingt aus dem Munde eines der Beteiligten allerdings authentischer als jeder abendfüllende Thriller:

Aufgrund der Verletzungen war hier starker Blutverlust zu konstatieren; ein in Deutschland erhältliches Chirurgie-Handbuch empfiehlt dabei „sofortigen Transport in die Klinik.“
Gute Idee – aber hier draussen…? 😐

Per Telefon wurden in Villarrica zwei Krankenwagen => mit je einem Arzt geordert.
Schnell wurde klar, daß sich die Fahrer weigerten, nach den 50 km Asphaltstraße den Teer zu verlassen und die restlichen 90 km auf unbefestigten Wegen zu fahren. Also wurde schnell ein Privatauto geordert, das die Verletzten bis zum Beginn der Straße bringen sollten, wo alle drei Opfer (einer davon der Täter) in die Krankenwagen zur ersten Behandlung und des weiteren Transportes wegen umsteigen sollten.

Neunzig Kilometer Erdstraße brauchen seine Zeit, doch die nächste Überraschung wartete beim Eintreffen am Asphalt: kein einziger Arzt wartete – nur der unerläßliche Fahrer des einzigen eingetroffenen Wagens verbrachte rauchend seine Zeit. :##

So mußte eines der stark blutenden Opfer mit dem Privatauto in die hiesige Klinik zur Versorgung gebracht werden. Immerhin ließ sich der Fahrpreis des Krankenwagens um 100tausend Guaranies auf 400tausend reduzieren….

Die gezeigte kleinere Wunde entspricht dem Einstich – leider war an dieser Stelle keine Behandlung des siebenmal durchbrochenen Dünndarmes möglich, und so mußte in einer Notoperation der Bauchraum geöffnet werden.

Krankenhaus

Der nachfolgenden Rechnung über 25 Millionen Guaranies für die Operation und Unterbringung im Krankenhaus ist gleichzeitig zu entnehmen, daß etwa zwei Liter Blut per Infusion übertragen wurden, um den Verlust auszugleichen.
Leider konnte dem im selben Krankenhaus behandelten Täter keine Zahlungsaufforderung zugestellt werden, da er es -wohl um Kosten zu sparen- vorzog, nächtlich ohne Abmeldung zu verduften. U-(

Glücklicherweise wurde drei Tage vor dem Abflug in Deutschland eine ADAC-Reiseversicherung abgeschlossen! So übernimmt die deutsche Gesellschaft die Kosten für den Business-Class-Rückflug des Mannes, der nur auf diese Art aufgrund der Verletzungen die Rückreise antreten kann.

Der Heilungsprozeß geht mittlerweile gut voran; unter Verwendung von täglich zu erneuernden Verbänden und einigen Medikamenten wird diese Familie Anfang November die Heimreise antreten können.

„Vom Gelde hängt Glück und Unglück ab“, stellte der deutsche Philosoph Stirner vor über 150 Jahren fest. Stimmt – besonders hier!
Noch dazu läßt sich feststellen, daß besagte Aktion auch aufgrund verläßlicher Freunde bei der schnellen Hilfe so „reibungslos“ ablief.

Und es wirft ein bezeichnendes Licht auf Grundstücke weitab der befestigten Wege; Einsamkeit vs. Nothilfe.
Bleibt zu hoffen, daß die Bemühungen der Justiz um Aufklärung nicht im Sande verlaufen…! >:-[

In keinem Fall soll diese Geschichte dazu dienen, Paraguay zu verteufeln; alle Details erscheinen hier mit ausdrücklicher Genehmigung der Familie. Vielleicht dient dies dazu, ein realistisches Bild fernab von dem verkaufsfördernden „alles Klasse, alles suuupi“ zu erstellen.
Und Zweifler können gerne weiterhin euphorisch über hochmoderne Gratis-Handy-Aktionen und goldene Ertragsergebnisse berichten. >:-[

Wer weiß, wann der nächste Besuch bei den Eltern anstehen wird – in jedem Fall wird dies Erlebnis wohl einige Zeit zum „setzen“ brauchen….

Wir wünschen der Familie alles Gute weiterhin!

Wie immer mit vielen Grüßen – Euer Team von „OUTLAW TODAY“! :wave:

HOTEL-RESTAURANT PARAISO
Villarrica, Paraguay
http://www.hotel-paraiso.de

Werbeanzeigen

Über canneletto

Also gut - im Jahr 2005 ist in Deutschland für uns die Grenze des erträglichen erreicht. Als Konsequenz sind wir im Juli desselben Jahres nach Paraguay ausgewandert. Wir, das sind: Steffen (48) und Magali (so um Mitte 30 - sorry, Frauen sind eben eitel...). Seit 10 Jahren führen wir nun in Villarrica das einzige deutsch-sprachige Hotel-Restaurant "Paraiso". Besucht uns in unserem Blog oder hier vor Ort und erfahrt die unglaublichsten - weil wahren - Geschichten!

»

  1. Das ist ja echt krass … was da abgelaufen ist
    Landsleute …tz tz tz
    Ich finde es aber gut , das mal jemand berichtet , dass nicht alles in PY
    “ Friede – Freude _ Eierkuchen “ ist …
    Aber so weit ab vom Schuss zu wohnen , birgt schon ein gewisses Risiko
    Der Family alles Gute
    LG aus VE

    Liken

  2. Wie gesagt- Dostojewskij´s Landsleute 😉
    Eine schreckliche Geschichte; noch dazu in deren Jahresurlaub. Beide Kinder wurden in den ersten Tagen bei einer befreundeten Familie untergebracht. Aber dieses Erlebnis werden sie wohl nicht vergessen…..
    Liebe Grüße aus dem abendlichen Villarrica!

    Liken

  3. Leider wird sich auch hier nichts mehr ergeben; die Sache ist mit der medizinischen Versorgung vorbei- und Anfang nächster Woche gehts per Flieger zurück.
    Anwälte sind sehr teuer hier; schon viele haben sich damit ruiniert.

    Liken

  4. Ich glaube, der Mann war damals froh, überhaupt einen Arzt gefunden zu haben. Denn schnell ist hier -besonders nachts- der Lebensfaden durchtrennt…….

    Liken

  5. Ein Urlaub der besonderen Erlebniswelt.
    Aber glücklicherweise hat die medizinische Versorgung geklappt- nicht krank werden ist hier normalerweise die Devise!

    Liken

  6. … nicht krankwerden ist heutzutage auch hier in Dt. eindeutig die bessere und überlebensichere Variante …

    liebe Grüsse
    und paß schön auf Dich/Euch auf

    Karen

    Liken

  7. …sie hätten wohl nicht gedacht, daß der Urlaub so eine Wendung nimmt. Aber mittlerweile ist der Mann auf dem Wege der Genesung.
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Villarrica!

    Liken

  8. Das Bedenkliche an der Geschichte ist unter anderem die Entscheidung vom Krankenhaus, keinen Arzt mitzugeben. Mit so etwas ist dann wohl immer zu rechnen, wenn solche Dinge geschehen….

    Liken

  9. …besonders hier in PY gilt dies. Eine Krankenversicherung lohnt sich hier eher nicht, und so sind im Krankheitsfalle schnell einige Milliönchen zu legen, wenn noch dazu ein Krankenhausbett bezahlt werden muß. Und natürlich die Ausbildung der hiesigen Ärzte läßt oft zu wünschen übrig….
    -Aber klar passen wir schön auf! 😉
    Liebe Grüße aus dem schwitzenden Villarrica mit 37°!

    Liken

  10. ja das ist nicht schön …
    und hier versuchen sie soviel wie möglich Geld mit Dir zu machen, das ist die andere Seite: viele, grad Ältere gehen mit nem Wehwechen ist Krankenhaus, wo sich die gesundheit erstmal so drastig verschlechtert, das sie eher nicht mehr lebend wieder rauskommen …

    liebe Grüsse
    etwas frierend aus Berlin

    Karen

    Liken

  11. Demgegenüber begibt man sich hier mit einer privaten Pflegeperson ins Krankenhaus, die sich dann um alles kümmert: in der Apotheke nebenan Verbandstoff, Pflaster und Medikamente holen und alle Laufereien erledigen. So verkürzt sich natürlich die Dauer des Aufenthaltes. Man sollte eben auf sich aufpassen in PY!
    Villarrica meldet 33° um 10.30 Uhr!

    Liken

  12. …und im höchsten Fall lebensgefährlich!
    Nun fehlt noch das Ärzte-Attest, um den Rückflug anzutreten. Aber für´s nächste Jahr ist wohl schon wieder PY-Besuch geplant!
    Liebe Grüße aus Villarrica!

    Liken

  13. Klar- das ist auch keine Besonderheit von PY. Es ging auch mehr drum, daß dann die medizinische Versorgung etwas anders läuft, als man das gewohnt ist. Und noch dazu kommen dann die Entfernungen….
    Moin Maenne!

    Liken

  14. Also solche naht hätte ich auch hinbekommen;)

    …aber der Grund des Streites ist ja schon krass. Da waren vorher wohl noch einige *flüssige* Backzutaten geschluckt worden;)

    Wenn man hier irgendwo weit weg …auf dem Lande oder so wohnt, dann muss man auch manchmal mit ziemlich schwieriger Versorgung rechnen.
    Da sind wir in der Großstadt schon ziemlich verwöhnt…

    Liebe Grüße aus dem leicht frostigen Berlin
    brigitte

    Liken

  15. Glücklicherweise hatte es in den bewußten Tagen nicht geregnet- sonst wäre die Erdstraße wohl unpassierbar gewesen. Schnell kommen hier halt 100 km zusammen bis zur nächsten Klinik, und je nach Schwere der Verletzungen…….
    Liebe Grüße aus 35° um 18.50 Uhr 😉

    Liken

  16. O ja, das kann ich mir gut vorstellen….

    35° !!! Das ist ja wieder mal eine Frechheit;)

    Hier werden jetzt langsam die Nächte frostig…*bibber*

    Grüße zurück:)

    Liken

  17. Laut Wetterbericht soll es in den nächsten Tagen immer 38° geben; aber wer glaubt dem schon? So überzeugen wir uns täglich am Thermometer und stellen fest: die liegen ja doch richtig! 😉
    Liebe Grüße zum Sonntag!

    Liken

  18. Aber leider hocken da die Leute beinahe im wahrsten Sinn des Wortes übereinander; wenn man erst mal die Weite Paraguay´s schätzen gelernt hat……

    Liken

  19. …ich glaube, die Regenzeit liegt nun endlich hinter uns- nur noch Sonnenschein ist vorhergesagt. Und natürlich ist der Sonnenbrand schon da..
    Liebe Grüße aus dem abendlichen Villarrica!

    Liken

  20. Dieser Vorfall kann einem in jedem Teil der Welt passieren- allerdings hilft unser derzeitiger Sommer bei der Genesung! 😉
    Liebe Grüße nach Meissen aus Villarrica bei 38°!

    Liken

  21. Kaum zu glauben was so deutsche Hitzköpfe im Ausland so mitten in der “ Wildnis “ alles anrichten können.

    Und das unter Freunden, ich kann es noch nicht fassen

    Es lebe die Freiheit in der Natur, die herrlichen Landschaften weit ab von den Städten aber sehr schön
    und angenehm ist es , wenn man eine Rundum-Versicherung
    nach typischen Deutschen Muster in Anspruch nehmen kann.

    Es lebe die Freiheit in Paraguay

    Liken

  22. Neenee- es handelt sich hierbei um Fjodor Dostojewski´s Landsleute!!! 😉 😉
    Und da sie schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben, wurde eben auch eine Deutsche Versicherung abgeschlossen.
    Aber trotzdem genießen wir die Freiheit in Paraguay! 😉
    …Neudefinition von „Freiheit“ gefällig..?? 😉 😉

    Liken

  23. …die ganz kleine Wunde links ist der eigentliche Einstich; die beiden größeren Nähte sind die Versuche, den durchbrochenen Darm zu flicken und den Bauchraum zu säubern…..
    Viele Grüße nach Kalifornien!

    Liken

  24. Tja…Wenigstens einen Sonnenbrand bekommt man jetzt hier nicht…höchstens kalte Füße:))

    Liebe Grüße aus dem nächtlichen Berlin
    brigitte

    Liken

  25. …aber man will ja nicht weiß aussehen, wenn man schon hier wohnt- also wartet der Schaukelstuhl schon in der Sonne… 😉
    Liebe Grüße aus Villarrica um die Mittagszeit!

    Liken

  26. hmmm….

    jag mir nicht nochmal so einen schrecken ein, alter! ich hab das bild in meinen medien gehabt und gedacht, das wäre dein zarter knabenbauch.
    watt hantieren diese ivans auch mit den erzeugnissen meiner heimatstadt rum. die solln doch bei ihren ak tralala bleiben. :>>

    Liken

  27. Aber nicht doch…dem Großen Canneletto gehts bestens 😉 😉
    Tja, in Paraguay werden eben lautlose Waffen bevorzugt- am Tage zumindest 😉
    Viele Grüße aus dem Sommer!

    Liken

  28. Auch wenn hier keineswegs alles aus Gold ist, so haben wir echt keine Lust mehr auf das angepaßte Leben „drüben“!
    Liebe Grüße zum Wochenende!

    Liken

  29. kann ich verstehen, es ist nicht einfach, mit den recht engen Schubfächern hier :yes: 🙂 mal schauen …

    liebe grüsse
    habt auch ein schönes WE

    Karen

    Liken

  30. Wir haben erst vor kurzem mit jemandem gesprochen, der dies alles für richtig hält, was „da“ gemacht wird- Zwangsumtausch, Länderannexion und Bespitzelung inclusive…..Echt wahr!
    ..gleich geht unser WE erst mal richtig los; Bierfest in Paraguay…
    Liebe Grüße aus Villarrica!

    Liken

  31. Für uns gabe es leider kein Bierfest- sondern nur dessen Besucher per Hotelübernachtungen…. 😉
    Aber bayrische Tischdecken und Bierkrüge brauche ich in Südamerika auch nicht 😉 😉
    Einen schönen Wochenstart & liebe Grüße!!!

    Liken

  32. …ist auch eine Alternative zum hier angebotenen einheimischen Gerstensaft!
    Liebe Grüße nach Berlin!
    ….und schön aufpassen zum morgigen Freitag, den 13ten…!!!!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s